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Als Mats Hummels das Fotostudio betritt, hat er das vielköpfige Team binnen Sekunden gewonnen. Die typische Anspannung vor dem Shooting weicht gelöster Stimmung. Obwohl seine 1,91 m Größe und die sportliche Figur das Styling nicht gerade erleichtern, ist er mit der Look-Auswahl glücklich. Weder Attitüde noch Allüren, dafür Charme und Charakter – eine Verbindung, die mit dem Siegergen des Weltmeisters eine positive Ausstrahlung erzeugt, der man sich schwer entziehen kann. Fashion Editor
Lorena Maza bringt es auf den Punkt: „ein Typ!“

LOH
Mit Ihrer Haarfärbe-Aktion nach einer verlorenen Wette haben Sie für Schlagzeilen gesorgt: Die Süddeutsche Zeitung titelte „Neuester Blondinenwitz“ und schrieb vom „Heino der Bayern-Abwehr“.

Mats Hummels
Ach, das ist doch schon wieder vorbei. Ich persönlich war allerdings überrascht von dem Riesenecho, das die blonden Haare ausgelöst haben. Mittlerweile sehen sie ja wieder normal aus.

LOH
Wir wollen ja nicht haarspalterisch sein, aber die Frisur ist ein Thema, und die SZ nennt Sie im gleichen Zuge auch noch „Sexsymbol“.

Mats Hummels
Meine Frisur ist mir nicht so wichtig. Morgens, wenn ich zum Training fahre, sind die Ersten, die meine Haare sehen, ja ­ohnehin nur meine Mitspieler. Und beim Training ziehe ich dann oft eine Mütze drüber.

LOH
So oft, wie Sie in Interviews über „Geheimratsecken“ sprechen…

Mats Hummels
Nein, ich werde eher darauf angesprochen, als dass ich es selber thematisiere. Und Geheimratsecken bringe ich nur ins Spiel, da sie halt leicht vorhanden sind.

LOH
Gibt es da eine familiäre Veranlagung?

Mats Hummels
Ich bin meinem Papa vom Haarwachstum her sehr ähnlich. Zum Glück hat er heute noch genug Haare. Was mich sehr zuversichtlich stimmt für die Zukunft.

LOH
Ihre Mutter hat Sie als Fan von Zinédine Zidane geoutet, anlässlich der WM 2006. Der hat ja mit seinen Haaren gar keine Probleme…

Mats Hummels
…weil er keine hat. Das kann in der Tat auch ganz viele Probleme von einem fernhalten (lacht).

LOH
Ihre Mutter Ulla Holthoff war Fußballchefin vom TV-Sender DSF (heute Sport1), ihr Vater Jugendtrainer bei Bayern München. Liegt in diesem professionellen Spannungsfeld Ihrer Kindheit der Schlüssel für Ihr souveränes Auftreten?

Mats Hummels
In der F-Jugend bekommt man davon nichts mit. Da bin ich nur dem Ball hinterhergelaufen wie jeder andere 6-, 7-Jährige.

LOH
Ihre besondere Familienkonstellation muss Sie aber doch beschäftigt haben. Einerseits liebende Eltern zu haben – und dann zwei Profis, die den Sport innen und außen perfekt kennen.

Mats Hummels
Mir war nicht klar, dass daran etwas ungewöhnlich sein sollte. Ich hatte keine Vergleichsmöglichkeiten. Für mich galt: Ich wollte immer Fußball spielen. Wenn ich also mit 12 die Wahl hatte, auf einem Turnier zu kicken, statt in den Skiurlaub zu fahren, dann habe ich das gemacht – und bin der Familie erst später nachgereist. Und es musste nicht einmal ein Ball sein, sondern nur etwas Rundes, und schon habe ich dagegengekickt. Daher war es auch nichts Bewusstes nach dem Motto: Ich muss dies oder jenes machen, um Profi zu werden. Der Spaß an diesem Sport hat mich dahin gebracht.

LOH
Galt das auch noch, als der eigene Vater plötzlich auch zum eigenen Trainer in Bayerns B-Jugend wurde? War das noch Spaß?

Mats Hummels
Das war in der Tat schwierig. Weil er mich härter behandelt hat als den Rest der Mannschaft, damit ja keiner auf den Gedanken kommen könnte, er würde seinen Sohn bevorzugen. Und mit 14 ist man schon etwas rebellisch. Ich war es von zu Hause gewohnt, auch mal klar zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt – das habe ich dann auch im Training gemacht. So haben wir auf dem Platz eine komplette Vater-Sohn-Beziehung ausgelebt, die sehr emotional war. Aber im Nachhinein hat es mir geholfen, weil er mich z.B. immer bei einer Gelben Karte wegen Meckerns ausgewechselt hat. Als erzieherische Maßnahme. Das hat er bei keinem anderen Spieler gemacht. Und ich habe bis heute keine Gelbe Karte mehr wegen Meckerns bekommen.

LOH
Aber so weise urteilt man doch nur mit dem Blick eines gereiften Mannes, damals war das doch sicher anders.

Mats Hummels
Es war wirklich eine schwierige Konstellation für beide Seiten. Ich fand das schrecklich. Er hat mich sogar mal nach nur einer Minute ausgewechselt. Das muss man sich mal vorstellen. Weil ich Gelb wegen Meckerns bekommen hatte. Nach einer Minute!

LOH
Sie haben 2007 in einem Interview in der SZ-Beilage „jetzt“ erklärt, unbedingt das Abi schaffen zu wollen. Wenn man sich Ihre Karriere anschaut, ist der Schulabbruch mit 18 Ihre einzige Niederlage?

Mats Hummels
Nachdem ich meinen ersten Profivertrag beim FC Bayern unterschrieben hatte, wollte ich es eigentlich bis zum Abi durchziehen, habe dann aber so schlechte Noten gehabt, dass es wirklich schwer geworden wäre, das zu schaffen. Also habe ich dann voll auf die Karte Fußball gesetzt. Eine schwierige Entscheidung, aber eine, die ich damals treffen musste.

LOH
Da sitzt man seine 12 1/2 Jahre in der Schule, ist kurz davor…

Mats Hummels
Das ist auch das, worüber ich mich am meisten ärgere. Mehr als acht Jahre auf dem Gymnasium, und dann kein Abitur. Wenigstens so ein Dreiviertelabitur hätte man mir geben können.

LOH
Eloquenz scheint Ihnen ja angeboren zu sein. Haben Sie früh gemerkt, dass Sie sich einfach gut artikulieren können?

Mats Hummels
Ich spreche gerne über Themen, für die ich mich interessiere. Über Fußball könnte ich – theoretisch – stundenlang reden, weil ich dafür das Wissen, die Erinnerung und auch die Energie habe.

LOH
Ihre Mutter nennt Sie „Leseratte“, sogar die intelligenten Comics – also Lucky Luke und Asterix – erwähnt sie…

Mats Hummels
Ach, sind das die intelligenten Comics? Wusste ich gar nicht. Aber ehrlicherweise habe ich auch LTBs (Disneys Lustige Taschenbücher) gelesen. Massenhaft. Mittlerweile bevorzuge ich Krimis oder Biografien. Von Andre Agassi oder Dirk Nowitzki…

LOH
Liegt für Sie der Reiz darin, sich mit den Sportlern zu vergleichen?

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